
Luxus und Vergänglichkeit
Wie weit kann Malerei die Wirklichkeit täuschend echt erscheinen lassen? Pieter Claesz lotet in diesem Bankett-Stillleben die Möglichkeiten des Trompe-l’œil, der Augentäuschung, aus. Das über die Tischkante hinausragende Messer scheint in den Raum vorzudringen, der Silberlöffel steckt in der angeschnittenen Pastete, und die Zitrone lädt geradezu dazu ein, ihre kunstvoll angeschnittene Schale zu berühren.
Besonders raffiniert setzt Claesz Spiegelungen ein. Im Römerglas erscheint die Reflexion eines Fensterkreuzes und erweitert den dargestellten Raum um eine Lichtquelle ausserhalb des Bildes. Solche optischen Phänomene zeigen, wie genau der Künstler die Bedingungen des Sehens beobachtete und in Malerei übersetzt.
Film Tipp
Die Gattung Stillleben: Der Film zeigt, wie Claesz Täuschung gekonnt einsetzt.
Die üppig gedeckte Tafel erzählt auf den ersten Blick vom Genuss, vom Wohlstand und von den Essgewohnheiten des reichen niederländischen Bürgertums im 17. Jahrhundert. Doch hinter dem verführerischen Schein steckt mehr. Die Zitrone kann als Sinnbild der Mässigung verstanden werden, während Brot und Wein auf das Abendmahl und das gespiegelte Fensterkreuz auf Christus verweisen. Halb verzehrte Speisen und umgestürzte Gefässe erinnern zudem an die Vergänglichkeit.
So verbindet Claesz die Lust an der Augentäuschung mit einer moralischen Dimension – und macht zugleich die Kunst selbst zum Thema: Das Gemälde fordert dazu auf, den eigenen Augen nicht ohne Weiteres zu trauen.
Film Tipp
Kulinarische Elemente: Was erzählt uns das Essen auf dem Tisch über die damalige Zeit?